Montag, 4. Juli 2016

Dumping

Jetzt kommen wir also zu dem versprochenen Post über das Dumping. Davor wurde ich in allen Vor- und Nachbereitungsgesprächen gewarnt. Aber was ist das überhaupt? Dumping kommt in verschiedenen Varianten und aus verschiedenen Gründen vor.
  1. zu viel gegessen
  2. zu schnell gegessen
  3. das falsche gegessen (Zucker bzw. Fett).

Was passiert dabei?


Und bitte entschuldigt schon jetzt, wenn ich es nicht medizinisch 100% korrekt ausdrücke, ich bin Patient, kein Doc :)

Wie in dem Post "Was ist eigentlich so ein Magenbypass" erläutert wurde, ist mein Dünndarm ziemlich verkürzt, weil ja mit dem der Magenbypass gebaut wird. Auch findet die Verdauung nicht im Magen selbst statt, sondern erst im weiteren Verlauf des Dünndarms, wenn er wieder  mit dem Stück aus dem Restmagen, in dem die Magensäure gebildet wird, zusammen trifft. Das heisst also, meine Nahrung rauscht unverdaut in den Dünndarm. Für diejenigen unter uns, die entweder im Biologieunterricht aufgepasst oder ein Aufklärungsgespräch zu einer Magen-OP hatten, ist es nicht ganz neu, dass ein Ort der Nährstoffaufnahme im Körper der Dünndarm ist. Normalerweise kommt dort das Essen aber schon anverdaut und nicht im Originalzustand an.

Durch die Verkürzung des Dünndarms und das nicht schon leicht zersetzte Essen, gehen die Nährstoffe sofort in den Körper, sofort ins Blut. Das macht sich besonders bemerkbar, wenn man zu viel Zucker zu sich nimmt, da der Körper gegen an arbeiten muss. Auch, wenn man zuviel Nahrung auf einmal aufnimmt, und von daher zuviel Nährstoffe auf einmal in den Dünndarm gelangen, muss der Körper zuviel gegen arbeiten. Mag er auch nicht.

Bei einer erhöhten Fettaufnahme, sieht das etwas anders aus, denn das flutscht einfach durch, bis es im Dickdarm gelandet ist und das bedeutet auf gut Deutsch was? Genau.. Durchfall. DAS hatte ich noch nicht :)

Meine Falle


Und was ist nun die typische Falle, in die ich hineingeraten bin? Diejenigen von Euch, die mich persönlich kennen, wissen, dass ich viel unterwegs bin und viel im Zug sitze. Ich habe den klassischen Fehler gemacht: mangelnde Vorbereitung. Ich hatte mich in der Logistik verrechnet. Ich fuhr von Frankfurt nach Lübeck mit Zwischenhalt in Hamburg und musste etwas essen bzw. trinken, da ich noch in der Flüssigphase nach der Operation war. In Hamburg dachte ich mir also, ab in den Supermark im Hauptbahnhof, da wirst Du etwas finden. Ich machte mich auf den Weg in Richtung Kühlregal und dort gab es Trinkjoghurts. Joghurt? Milchprodukt. Vertrage ich. Alles gut. Gesagt, getan, noch am Bahnhof beim Warten im Zug habe ich den Joghurt getrunken.. bäh, irgendwie total süß, aber auch davor war ich gewarnt worden, dass der Geschmack sich ändert.

Und jetzt kommt das tolle am menschlichen Körper. Eigentlich sagt er einem ziemlich genau, was er mag und was nicht. Man muss nur zuhören!

Ca. 20 Minuten später wurde mir total flau. Ich bekam Schweißausbrüche, mein ganzer Körper war mit einer kalten klammen Schicht bedeckt, mir war schwarz vor Augen und mir wurde übel. Ich habe erst gedacht "das kann doch nicht sein, ich vertrage Joghurt doch sonst auch". Und irgendwie hat es bei mir Klick gemacht und ich drehte die Joghurtflasche um und checkte die Nährwerte. Ja, das hätte ich mal besser vorher gemacht. Wisst Ihr, wieviel Zucker in dem Zeugs ist??? 16 Gramm auf 100 Gramm Joghurt. Das ist ekelhaft und grenzt ja schon an Körperverletzung. Viele von Euch werden jetzt denken "das weiß man doch, ist doch bei Fruchjoghurt nicht anders".
Ich wusste das nicht, denn bei mir gab's kein Fruchtjoghurt, bei mir gab es Joghurt mit Obst, aber nicht so ein gepanschtes Zeug.

Und da ich also gerade 250 Gramm von dem Zeug getrunken hatte, habe ich mal eben locker 40 Gramm  Zucker zu mir genommen. Kein Wunder, dass es mir schlecht ging! Mein Blutzuckerspiegel jagte noch oben, meine Bauchspeicheldrüse arbeitete auf Hochtouren, um Insulin dagegen zu pumpen und einmal erledigt, rauschte der Blutzuckerspiegel wieder in den Keller und ich hing in den Seilen.

DAS war also dieses Dumping, von dem die alle gesprochen haben.

In eine andere Falle bin ich auch ganz zu Anfang getappt. Ich war zu Besuch bei meiner Schwester und natürlich kam das Thema auf, was ich essen kann. Ich meinte nur, sie solle keinen Aufwand machen, ich finde schon etwas.

Es gab Spaghetti Bolognese abends und das Zeug wurde püriert. Spitzenidee, Barbara.. wirklich Spitzenidee. Erstmal war das Zeug nicht flüssig sondern breiig und ich war gewohnt 2-3 Esslöffel Suppe zu mir zu nehmen. 2-3 Löffel davon und mein Magen machte zu. Und mir ging es den ganzen Abend schlecht. Das war das erste Mal, dass ich nach dem Krankenhausaufenthalt über der Toilettenschüssel hin.

Soviel zu "keinen Aufwand" machen. Das passiert mir auch nicht nochmal.

Ihr seht also, es ist nicht einfach nur damit getan, dass man weniger ist,  bzw. ja dazu gezwungen ist. Nein, das gesamte Essverhalten muss sich ändern und von daher sollte jede Nachbereitung einer Magen-OP von einer Ernährungsberatung begleitet werden. Wie so oft geht es nicht um das "Was" sondern um das "Wie".


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