Samstag, 10. Dezember 2016

Der Adler ist gelandet...

... ach nee, das ist etwas anderes. 

Na gut, dann eben so: ICH BIN EIN UHU!!! 

Einige von Euch mögen sich jetzt fragen "ein was? Und warum möchte man sowas sein?" 

uHu bedeutet unter Hundert. Ich habe also endlich diese Schallmauer geknackt. Die ja eigentlich nur eine weitere Zahl ist, wenn wir mal ehrlich sind. Aber trotzdem fiebert jeder, den ich in der Abnehmwelt kenne, darauf hin. Jeder möchte zweistellig werden. 



Und ich bin da nicht anders. Es ist zwar nur eine Zahl, aber sie hat halt nur 2 Stellen :) 

Und gestern war es so weit, die Waage zeigte das erste Mal seit Jahrzehnten nur 2 Stellen vor dem Komma. Das letzte Mal hatte ich so ein Gewicht vor 21 Jahren. 

So, und welche Schallmauer nehme ich mir als nächstes vor? 


Donnerstag, 17. November 2016

Und wie geht's mir sonst so?

Ich bekomme immer mal wieder die Frage gestellt "Barbara, abgesehen vom Essen und so, wie geht's Dir sonst so?"

Tja, was soll ich da sagen? "Sonst so" geht es mir prima. Bis auf eine Sache: ICH FRIERE!! 

Jetzt werden sich die meisten angucken und denken "naja, wir haben November, es ist Spätherbst, in den meisten Regionen Deutschlands gab es schon Wintereinbruch. Also, das ist nun wirklich nichts besonderes". 

Nein nein, Ihr missversteht mich, ich wiederhole das nochmal: Ich friere! Ich sitze zu Hause in eine Wolldecke eingehüllt und bibbere dennoch. Ich friere nie! Ich laufe zu Hause im T-Shirt durch die Gegend. 

Und das schlimmste? Ich habe eiskalte Finger und Füße. 

Ich, die nie kalte Finger hatte. 

Ich, die im Winter anderen deren Hände wärmt. Den anderen, die gerade die Handschuhe ausgezogen haben. Ich, die nur zum Langlaufen Handschuhe anzieht. Und das auch nur unter Protest. Und das auch nur, weil es ziemlich wehtut, wenn man sich ohne langlegt. Und solange ich das mit dem Hinfallen noch nicht hinter mir habe, wurden also superdünne Handschuhe getragen. 

Und jetzt? Jetzt wünsche ich mir dicke, fette Fellhandschuhe und selbstgestrickte Strümpfe!

So geht's mir sonst so :) 

Dienstag, 8. November 2016

Nichts dazu gelernt??

Ich wiege mich einmal die Woche. Und da sitze / stehe / hocke ich nun seit zwei Wochen und warte darauf, dass sich auf der Waage etwas tut. 

Ja, Ihr lest richtig, seit etwas über zwei Wochen habe ich ein sogenanntes Plateau. Es tut sich nichts, nicht ein bißchen.. kein mü. Nada, niente! 

Und dabei hatte ich mich doch so darauf gefreut, endlich ein uHu zu sein. Ein uHu ist ein "unter Hunderter". Dafür fehlen mir nur noch ein paar Kilo, aber die wollen einfach nicht verschwinden. 
Ich glaube ja, mein Karma macht das mit Absicht, weil es weiß, dass ich darauf geiere.. 

Habe ich denn nichts dazu gelernt??


Verflixt, habe ich denn aus den letzten 20 Jahren nichts gelernt? Diese Fixierung auf eine Zahl ist ja fürchterlich!! 
Aber das ist ja auch kein Wunder, wenn man uns ständig beibringt, dass unsere Ziele meß- und zählbar sein müssen. 

Und um mich von einer Meßgröße abzubringen, habe ich mich dann der anderen zugewendet. 

Nach 10 Terminen mit Moritz war es Zeit für meine nächste Körpermessung. Und der Vergleich sieht folgendermaßen aus:

Es hat sich alles zum positiven verändert. Gewicht ist runter, mein Wasseranteil ist endlich in der Spanne, in der er sein soll. 

Mein Körperfettanteil ist enorm gesunken. Aber das Beste?

Meine proteinreiche Ernährung und mein wöchentliches Training mit Moritz hat sich ausgezahlt.

Ich habe noch nicht mal 1 kg Muskelmasse verloren. Das ist ein wirklich toller Erfolg. Denn die Gefahr beim Abnehmen ist immer, dass man Muskeln abnimmt, weil die mangelversorgt werden. Deswegen bedient sich der Körper gerne daran. 

Die Schinderei jede Woche zeigt also Ergebnisse. 

Und wenn ich das so sehe, kann ich auch damit leben, dass die Waage sich gerade mal nicht bewegt. 

Wenigstens die nächsten 2 Wochen noch :) 

Mittwoch, 19. Oktober 2016

Endlich etwas herausgefunden!!

Da war ich also wieder. Püntklich, genau auf den Tag genau 6 Monate nach meinem letzten Besuch in der Aufnahme des Krankenhaus Nordwest, saß ich wieder auf dem Stuhl und händigte der netten Dame meine Papiere aus. 

Ich war für die Magenspiegelung stationär aufgenommen. So sollte endlich herausgefunden werden, warum mir so oft übel ist und ich auch erbrechen muss.

Also wieder rauf auf Station, dieses Mal ein Zimmer weiter. Das wäre ja noch etwas gewesen, wenn ich im selben Zimmer gelandet wäre :) 

Die Magenspiegelung verlief ohne Probleme, und selbst wenn, hätte ich davon ja nichts mitbekommen. Schön schlafen gelegt und kaum 5 Minuten später war ich schon wieder wach. 

Und das Ende vom Lied? Ich habe 2 entzündete Magengeschwüre. Igitt! Aber kein Wunder, dass ich jedes Mal nach dem Essen Magenschmerzen habe. 

Also alles zurück auf Anfang. Schonkost sozusagen. Nichts stark gewürztes, kein rotes Fleisch, viel gedünstetes, alles lauwarm. Möglichst magenschonend. Klingt irgendwie langweilig.

Dazu Medikamente und ich war so froh, dass ich drogenfrei bin! 

Aber das bekomme ich schon hin. 

So, und jetzt tue ich mir noch heute und morgen leid und danach bin ich dann wieder die Alte... schau'n wir mal :) 

Sonntag, 16. Oktober 2016

Update nach 6 Monaten

Letzte Woche war der 6-Monats-Checkup. Ich "feiere" ja in 3 Tagen 6 Monate post OP. 

Körperlich ist von außen alles prima. Auch die Ultraschalluntersuchung ergab nichts ausser: alles so, wie es sein sollte. Der Verlauf der Gewichtsabnahme ist auch perfekt. Ich bin also ein Vorzeigepatient :) 

Aber was meine Ärztin genauso verwundert wie mich, ist die ständige Übelkeit und das Erbrechen. Als ich sagte "wenn das jetzt nach 6 Monaten nicht vorbei ist", antworte sie scherzhaft mit "dann sind Sie schwanger". 

Also eines mal gleich, wenn ich jetzt schwanger wäre, würde ich als medizinisches Wunder von Talkshow zu Talkshow reisen, berühmt werden und mich um die Übelkeit nicht mehr scheren :) 

Ende vom Lied: ich darf nächste Woche nochmal für 2 Tage in die Klinik. Es gibt eine Magenspiegelung. Ich hoffe ja, dass es nur der Heliobakter ist, der nicht ausgeheilt ist. Den hatte man bei mir vor der OP festgestellt und nach knapp 3 Monaten habe ich dann die Antibiotika-Kur gemacht. 

Also Daumen drücken!

Samstag, 8. Oktober 2016

Glück und Leid

Noch vor ein paar Tagen habe ich mit Euch meine tollen Erlebnisse im Wiesn-Urlaub geteilt. Inclusive shoppen mit Mama und tollen Tagen auf dem Oktoberfest. 

Aber nach einer Magenbypass-OP liegen Glück und Leid manchmal sehr dicht beieinander. Denn heute habe ich eigentlich nur einen einzigen Wunsch... 

Ich möchte nie wieder essen müssen! 


Wenn man zwei Tage hinter sich hat, an denen man nach jeder zweiten Mahlzeit über der Toilettenschüssel hängt, weil das Mägelchen mal wieder rumzickt, dann mag man einfach nicht mehr. 

Kann ich das Essen nicht einfach "outsourcen"? Ich ernähre mich gerne von Ergänzungsmitteln, wenn ich dann nie wieder über der Toilette hänge. 

Ich weiss, dass das nicht geht, aber der Gedanke ist verlockend. Denn sich ständig übergeben ist nicht nur eklig sondern auch anstrengend. 

Und es macht nicht wirklich Appetit auf die nächste Mahlzeit. Die ich ja zu mir nehmen MUSS. Regelmässiges Essen ist nach einer OP noch viel wichtiger als vorher. Aber einladend ist es gerade nicht ... 

Nur mal so... aus "ein Tag im Leben einer Magenbypass-Patientin" :)

Donnerstag, 6. Oktober 2016

Meine erste Wiesn nach dem Magenbypass

Es war soweit. Meine erste Wiesn nach dem Magenbypass stand an. Schon 2 Wochen vorher war ich bei meiner Schwester in München zu Besuch, um meine Dirndl abnähen zu lassen. Eines wurde wirklich kleiner gemacht und bei 2 anderen sagten mir sowohl die Schneiderin als auch meine Schwester unisono "das geht so, das muss nicht gemacht werden". Eines vorweg: das sollte sich rächen!

Schon im Vorwege hatte ich mir Gedanken gemacht, wie ich das wohl logistisch hinkriegen soll. Alkoholfrei auf einem Bierfest und in Miniportionen bei deftigem bayrischen Essen. Na, das würde eine Herausforderung werden!

Aber ich bin seit dem ersten Besuch ein Wiesn-Fan geworden und schon letztes Jahr musste ich krankheitsbedingt absagen, ich hatte einen Hörsturz. Und dieses Jahr wollte ich nicht schon wieder aussetzen. Ich war mir sicher, ich bekomme das hin.

Zug war also gebucht, zum Glück wohnt meine Schwester in München, um ein Hotel muss ich mich schon mal nicht kümmern. Kann sich ja zur Wiesn auch kein Mensch leisten :)

 

Ein Prosit der Gemütlichkeit


Wir hatten Reservierungen für drei Tage - zum Glück nicht hintereinander, sondern mit ordentlich Pause zwischendrin. Und auch immer "nur" Mittagswiesn. Und schon am Tag 1 stellte sich heraus, dass es (mal wieder) viel einfacher war, als ich es mir im Voraus ausgemalt hatte. Das alkoholfreie Helle kann man sehr gut trinken. Davon ging über den ganzen Nachmittag verteilt vielleicht die Hälfte, der Rest wurde am Tisch behalten, um die obligatorische Anstoß-Orgie beim "Prosit der Gemütlichkeit" mitzumachen. Bäh, aber ganz im Ernst, warmes Bier ist auch zum Nippen irgendwann echt eklig.

Es kam der Morgen vor unserem zweiten Wiesnbesuch und auf einmal sagte meine Mama "Babs, zieh doch mal die Dirndl über, ich möchte sehen, wie sie aussehen" - Ihr erinnert Euch? Das "geänderte" und die, die "gingen"?

Ähem.. tja, zum Glück habe ich sie übergezogen, denn die waren auf einmal viel zu groß! Also wirklich soviel zu groß, dass die einfach unmöglich aussahen. Da half auch das Schnüren nichts, weil dann der überschüssige Stoff abstand. Ich war total fassungslos. Zum Glück sind meine Mama und meine Schwester aber begnadet, was den Umgang mit der Nähmaschine anging. Sofort wurde gleich gefachsimpelt, wenn man das hier auftrennt und dort abnimmt, und da etwas einsetzt, dann fällt das gar nicht auf. Ende vom Lied? Drei Stunden saßen die beiden und haben meine Dirndl enger genäht, mir fielen dabei so Hilfsarbeiten zu, wie das Nähgarn einzufädeln, weil ich die einzige bin, die NOCH keine Brille braucht. Ich bin gehässig, ich weiß.

Und was soll ich sagen, sie sitzen hervorragend! Obwohl, eines etwas zu gut gemeint, da war ich nach 7 Stunden froh, als ich es ausziehen konnte. :)

Auch Tag 2 und 3 liefen hervorragend. Das Essen war allerdings eine Herausforderung. Beim Sightseeing an den Pausentagen habe ich auf die harte Tour gelernt, dass Schweinsbraten nicht funktioniert. Vielleicht war es aber auch die Soße, die nach "aus der Tüte" schmeckte. Weißwurst geht, da wird ja die Pelle abgezogen. Und zur Not reicht halt auch eine Brezn.

Das ist natürlich weder gesund, noch ausgewogen oder nachhaltig, aber "Scheiß drauf, Wiesn ist nur einmal im Jahr..." :)

Und was haben wir sonst an den Pausentagen gemacht? Meine Mama und ich waren shoppen. In ganz normalen Läden. Jawohl! Ich darf stolz verkünden, ich trage eine Kleidergröße 46. Und noch in der Umkleide beim Schaulaufen wurden Fotos gemacht und nach Hause geschickt. Darf ich darauf hinweisen, dass meine Mama die Emoji-Queen ist?

Richtig schicke Sachen habe ich mir gekauft. Auch wenn meine Mama mich immer in ihre Lieblingsfarben Beige, Grau oder Braun stecken will. Da muss sie noch dazu lernen.... die Farben funktionieren hervorragend mit meinen Schwestern, aber ich sehe darin 15 Jahre älter aus.. oder gleich wie tot.

Rausgekommen sind enge Hosen und schmale Oberteile, dazu hohe Schuhe - da muss ich dann noch dazu lernen.

Dienstag, 20. September 2016

Positive Einstellung

Vor 2 Tagen erhielt ich auf Instagram eine nette Antwort auf einen Kommentar. 

"du bist so positiv eingestellt, das finde ich toll! Danke dir"


Einer Userin stand ihre eigene Magenbypass OP am nächsten Tag bevor, und ich hatte eigentlich nur ein paar motivierende Worte hinterlassen. 

Positiv eingestellt? Ja, zum Großteil schon. Ich meine, was bleibt mir denn anderes übrig? Rückgängig machen geht nicht, also muss ich einfach immer weiter gehen. Jeden Tag, Schritt für Schritt. Und meistens läuft es ja auch prima oder die Vorteile wiegen die Nachteile auf. 

Aber bin ich IMMER positiv eingestellt? Nein, auf keinen Fall. Ich habe auch schlechte Tage, an denen ich maule, mit mir hadere, meinen Magen verfluche, dass er so empfindlich ist, wie die Prinzessin auf der Erbse. 

Seit Sonnabend habe ich solche schlechten Tage. Mein Magen spielt verrückt. Egal, was ich esse, es gefällt ihm nicht. Auch Dinge, die ich vorher schon oft gegessen habe. Ich will nicht ins Detail gehen, aber ich verbringe viel Zeit im Bad! 

Dazu ist mir immer schwindelig, mir wird oft schwarz vor Augen. Ich bekomme einfach nicht genügend Flüssigkeit in mich rein und überhaupt ist alles bäh! 

Aber ich versuche jeden Tag so gut es geht zu nehmen. Zwinge mich zum Beispiel, zum Sport zu gehen, ziehe dabei Motivation aus den super witzigen Facebook-Kommentaren. Nur für morgen habe ich Moritz abgesagt, denn mir geht es echt nicht gut, mein Kreislauf sackt immer wieder weg. 

Und das schlimme daran? Donnerstag soll es nach München zur Wiesn gehen und ich befürchte mal wieder das Schlimmste. Wahrscheinlich passiert gar nichts, aber ich möchte nicht schon wieder krankheitsbedingt wegbleiben müssen. 

Also nein, ich bin nicht immer positiv eingestellt, aber ich gebe mein Bestes!


Donnerstag, 8. September 2016

Ja, jetzt sehe ich es auch

Ich habe ja in den letzten Blogposts immer mal durchblicken lassen, dass ich meine Gewichtsabnahme bisher nicht so wirklich  SEHE. Also auf der Waage ja, und ich merke es auch daran, dass die Klamotten weiter werden bzw. dass ich kleinere Größen benötige, aber ich habe es nicht wirklich gesehen.

Diese Woche war es dann so weit. Ich hatte 2 "Aha-Momente".

Der erste war im Vorbeigehen an einem Schaufenster, in dem ich meine eigene Spiegelung gesehen habe. Ich trug eine gerade geschnittene schwarze Hose und ein dunkelgrünes, schmales Oberteil (Neu gekauft, kleinste Größe seit Jahren.. juhuuu). Aus dem Augenwinkel erhaschte ich also einen Blick auf mich und ich bin tatsächlich nochmal zurück gegangen, um zu gucken, ob das tatsächlich ICH war.

Der zweite Moment war gestern beim Sport. Es war mal wieder Zeit für Moritz, meinen Personal Trainer. Und ich stand vor diesen bodentiefen Spiegeln, bereitete mich innerlich auf meine Kniebeugen vor, die tiefer gehen sollten als je zuvor. Arme vor dem Oberkörper waagerecht ausgestreckt. Ich wollte gerade loslegen und dann guckte ich WIRKLICH in den Spiegel.

Ich konnte nicht anders, ich liess die Arme fallen und mir entrutschte ein "Meine Fresse, habe ich abgenommen!!"

Moritz grinste nur und sagte etwas wie "Erstaunlich, oder? Von Woche zu Woche".. das zitiere ich mal aus dem Gedächtnis, ich war viel zu sehr damit beschäftigt, mich total fassungslos im Spiegel anzugucken.

Also ja, jetzt sehe ich es auch :)

Samstag, 27. August 2016

Der einfache Weg?

Seit meiner Operation - und eigentlich auch schon vorher - bekomme ich sehr viel Unterstützung aus meinem Umfeld. Meine Familie steht hinter mir, lässt sich immer auf den neuesten Stand bringen. 
Meine Freunde motivieren mich bei jeder sich bietenden Gelegenheit. Danke dafür und ganz liebe Grüße an meine "Football-Mädels": Ihr seid super! 

Das schlimmste, was mir bisher entgegenkam, war Neutralität. 

Aber wenn man sich so wie ich mit einem Blog in die Öffentlichkeit wagt, dann ist es damit auch schnell vorbei. In letzter Zeit bekomme ich öfter mal per email die Aussage "Na, da hast Du es Dir aber auch leicht gemacht, hast es wohl sonst nicht hingekriegt!!". Solche Leute kommentieren das nicht in der Öffentlichkeit, wo man sich mit ihnen auseinandersetzen könnte, sondern schreiben direkt. 

Und was soll ich sagen? Stimmt! Ich habe es "sonst nicht hingekriegt". Wenn das nicht der Fall wäre, hätte ich mich wohl nicht für die Operation entschieden. 

Aber eine Sache stimmt nicht: es ist NICHT der einfache Weg. Wenn ich Glück habe, habe ich noch mehr als die zweite Hälfte meines Lebens vor mir. Das bedeutet, ich werde für noch mehr als 40 Jahre darauf achten müssen, was ich esse und trinke. Essen und trinken muss getrennt werden. Für den Rest meines Lebens muss ich Supplemente zu mir nehmen. Eiweiß hier, Vitamine da und ich bin mir sicher, nach dem Blutbild wird noch einiges an Mineralstoffen kommen. 

Ich werde jedes Mal rechnen und kalkulieren müssen, wie ich mit dem Essen hinkomme, wenn ich aus dem Haus gehe. Die Dumpingfalle ist überall. 

Dazu kommt die körperliche Veränderung: bei der schnellen Gewichtsabnahme kann ich gar nicht so viel Sport machen, um alles da zu halten, wo es hingehört. Also kann ich mich schon mal auf Wiederherstellungsoperationen einstellen. Also hier und da Haut wegschneiden. 

Oktoberfest? Alkoholfreies Bier, am halben Hahn knabbern und immer der Fahrer sein. 

So, und jetzt sag mir nochmal jemand, ich hätte den LEICHTEN WEG gewählt!!

Dieser Blogpost ist nicht editiert und einfach nach dummen Bemerkungen von der Leber weg geschrieben. Muss auch mal sein. 

Montag, 22. August 2016

Eiweiß die Zweite

Heute stand mal wieder ein Arzttermin an. Ich habe zum Glück in Frankfurt einen Internisten gefunden - bzw. empfohlen bekommen -, der ein Spezialist für Ernährungsmedizin und für Adipositaspatienten ist. Wer interessiert ist: Dr. Klaus Winckler (www.docwinckler.de)

Sehr praktisch, es gibt auch eine Ernährungsberaterin im Haus - sozusagen ein Rundum-Sorglos-Paket :) 

Und da stand heute das erste große Blutbild an. Die Ergebnisse gibt es Anfang nächster Woche. Ich stelle mich schon mal auf weitere Supplemente ein. Es geht also darum, in wieweit ich eine Mangelernährung habe. DASS ich eine habe, steht ausser Zweifel. Erstens ist das ja sozusagen der Sinn der OP: eine verringerte Kalorienzufuhr, womit dann halt auch leider immer die verringerte Nährstoffzufuhr einher geht und zweitens verliere ich meine Haare im Sekundentakt. Am Wochenende pulte eigentlich immer eines  meiner Mädels mir die Haare von den Klamotten. 


Danke dafür!! 

Aber wieso jetzt eigentlich "Eiweiß die Zweite"? Fleissige Leser wissen, dass ich bei der Ernährung sehr darauf achten muss, viel Eiweiß zu mir zu nehmen. Bisher hiess es 60-80 Gramm und ich war froh, wenn ich auf die 60 Gramm kam. Und jetzt ratet mal?! Richtig - das reicht nicht. Es müssen MINDESTENS 80 Gramm sein. Eigentlich war der O-Ton "davon können Sie gar nicht genügend" essen. Puuh.. na super, ich war doch schon stolz auf meine 60 Gramm. 

Übrigens: die gängige Empfehlung für Eiweiß lautet 1g pro kg Normalgewicht. Guckt doch mal, ob Ihr genügend zu Euch nehmt. 

Pünktlich zu diesen Neuigkeiten kam über das Wochenende meine letzte Buchbestellung. "Gut essen rund um die Adipositas-OP" von Dr. Heike Raab

Auch das ist eine Empfehlung meiner Chirurgin. Ab jetzt wird also mal wieder nach Rezept gekocht. Habe ich schon lange nicht mehr gemacht :) 

Auch darüber werde ich berichten. 

Und auch eine Buchrezension habe ich schon lange nicht mehr geschrieben. Ich bin selbst gespannt. 


Mittwoch, 3. August 2016

3-Monats-Nachuntersuchung

Das habe ich ja fast vergessen, heute ist noch etwas schönes passiert: ich hatte meinen 3-Monats-Check nach der Operation. 

Kurz gesagt: alles ist gut! Die OP-Wunden heilen so wie sie sollen, innerlich wie äusserlich. Wenn es nach mir ginge, könnten die Narben natürlich schneller verblassen, aber das ist halt so. 

Meine Leber ist mächtig entfettet, es schwirrt auch nirgendwo Flüssigkeit rum, wo keine hingehört. Die Gallenblase sieht gut gefüllt aus. Alles so, wie es sein soll. 

Aber eine Sorge habe ich doch. Seit ca. 2 Wochen habe ich kräftigen Haarausfall! Und zwar nicht nur so ein bißchen, sondern ich habe ich die büschelweise in der Hand! Und das ist ja mein Horror, ich bin ja so pienzig mit meinen Haaren. Ich habe ja eigentlich so einer Pferdemähne. 

Meine schlimmste Vorstellung vom Alter war immer, dass ich zu diesen Frauen gehören, die so dünne Haare bekommen, dass man die Kopfhaut durchsieht. 


Was es nicht alles gibt?!?!? 


Aber auch die Sorge konnte meine Chirurgin mir nehmen, das hätte etwas damit zu tun, dass "das Fett schmilzt". Das wäre die allgemeine medizinische Einschätzung, die allerdings noch nicht wissenschaftlich getestet nachgewiesen ist. 

Denn anscheinend hat Körperfett ähnliche Effekte wie das weibliche Hormon Östrogen. Deswegen würden - wenn überhaupt - auch nur Frauen darunter leiden. Sie verglich es mit Abstillen. ;) 

Und jetzt mal die Frage an alle stillenden Mamas da draussen. Hattet Ihr das auch?? 

Und um auch  mal die Statistikfrage zu beantworten: Stand heute habe ich 32 Kilogramm verloren. 



Sportlich, sportlich!

Heute war es Zeit für meine erste offizielle Personal Training Stunde mit Moritz. "Treue" Leser werden den Namen kennen. Das ist der junge Mann, der mich im Probetraining so gequält hat, dass ich die Treppen nicht mehr runter kam

Und was soll ich sagen? Heute fand ich es noch anstrengender! Vielleicht auch, weil es viel wärmer war. Der Schweiss lief in Strömen und meine Beine fingen an zu zittern. Und als er auch noch mit diesem fiesen, an den Schulsport erinnernden Medizinball ankam, hätte ich ihn am liebsten geboxt. Wenn ich in den Armen noch die Kraft dazu gehabt hätte! :)

Aber eines muss ich ja sagen: wenn mich früher diese Spiegel, die überall hängen, zur Verzweiflung gebracht haben, war es heute schon sehr cool zu sehen, dass da keine Rollen mehr durch das T-Shirt durchgucken. 

Nach dem Training ging es noch zum "Ausschwimmen" in den Pool. Ein bißchen auslockern und bewegen, ich hoffe, es hilft gegen den erwarteten Muskelkater. 


Luxusprobleme!!


Und die erste Herausforderung gab es schon beim Tasche packen. Ich wusste ja, dass ich mich auf viele  Kniebeugen und Ausfallschritte einstellen darf. Also, welche Hose passt noch so gut, dass die mir nicht nach jeder Kniebeuge über den Hintern rutscht? 

Und ich glaube, es wird Zeit für einen Abstecher nach Herzogenaurach, zu meinem Lieblingshersteller mit den 3 Streifen. 

Sonntag, 31. Juli 2016

Die Sache mit dem Trinken

Ich habe jetzt schon einiges über das Essen oder auch das Nicht-Essen erzählt. Kommen wir also zur nächsten Herausforderung: dem Trinken. 

Vor meiner Operation habe ich im Schnitt so 2 Liter Wasser am Tag getrunken. Und auch immer nur stilles oder Leitungswasser. Nur hier im Frankfurter Westen nicht, das ist total ekelhaft, geht gar nicht! 

Während der Flüssigphase vor meiner OP musste ich dann auf mindestens 3 Liter pro Tag erhöhen. Das ging auch ohne Probleme. Und selbst wenn mir nachmittags eingefallen ist, dass ich noch nicht genügend getrunken habe, wurde die Wasserflasche angesetzt und nochmal ein Liter nachgeschoben. 

Seit der Operation sieht das allerdings ganz anders aus. Nur mal zur Erinnerung, ich habe ein Magenvolumen von ca. 150 ml. Nicht besonders viel, noch nicht mal ein Glas Wasser. 

Und ich muss zugeben, ich vergesse das Trinken. 


Dazu muss man wissen, dass ich jeweils vor und nach den Mahlzeiten eine halbe Stunde nichts trinken darf. Das macht schon mal 3 Stunden am Tag, die zum Trinken wegfallen. Und mal eben die Wasserflasche ansetzen geht auch nicht mehr, dafür ist kein Platz mehr da. 

Jetzt bin ich froh, wenn ich am Tag auf 1,5 Liter Wasser komme. Das ist zur Zeit schon viel. Zu Beginn direkt nach der OP ging auch kaltes (oder Zimmertemperatur) Wasser gar nicht, nur warmer Tee. Der kommt einem aber auch irgendwann wieder zu den Ohren raus. Und irgendwie ist der Magen auch zu klein für diese Wassermengen :) 

Ich habe mir schon eine App auf dem iPhone installiert, die mich daran erinnern soll, aber irgendwie klappt das auch nicht. Ich arbeite dran! 

Mittwoch, 13. Juli 2016

Das erste Mal "weg"

Letzte Woche war es soweit, mir stand das erste Mal "weggehen" bevor. Und das mit einer Gruppe von Leuten, aus der ich einige persönlich und andere nur virtuell aus Foren kannte. Von ein paar wusste ich, dass sie diesen Blog lesen und von daher über meine  Operation Bescheid wussten.

Ich meine, es ist nicht so, als würde ich es geheim halten, aber ich erzähle es auch nicht jedem persönlich. Besonders die Auswirkungen binde ich nicht jedem beim erstem Gespräch auf die Nase.

Ich war auf einer Halbtagsveranstaltung bei Microsoft in München und schon dort musste ich einiges an Aufklärungsarbeit leisten, weil ich a) das Kuchenbüffet links liegen liess und weil mich b) ein paar der "realen" Kontakte das erste Mal seit Monaten wieder gesehen haben. Und wie mir ständig versucht wird, klarzumachen: man sieht es (man ist dabei nicht ich :))

Aber wie das Abendessen überstehen?


Eigentlich war es gut durchgeplant, meine Schwester, die in München lebt, sollte zu uns stoßen und ich würde von ihr einfach etwas mitessen. Aber wie das so ist mit Plänen... meine Schwester kam später als erwartet und das Essen wurde bestellt.

Die Speisekarte wurde von mir gleich beseite gelegt, ich wusste, dass selbst die Vorspeisen als Portion zu groß für mich wären.

Und dann war doch auf einmal alles ganz einfach. Meine Gegenüber guckte mich an und fragte "Barbara, ich nehme den Fisch, geht das bei Dir?" Ohne große Worte, ohne Vorbereitung, ohne rumdrucksen. Ich kam gerade noch dazu "ja" zu sagen und schon wurde bei der Bedienung ein Extrateller für mich bestellt.

"Ach, Sie nehmen einen Räuberteller, bring' ich gleich" - Wieso habe ich mir eigentlich einen Kopf darüber gemacht?

Meine Schwester kam dann doch noch, nachdem wir fertig waren und konnte sich ihren geliebten gegrillten Calamari widmen. Wäre bei meiner Meeresfrüchte-Allergie nicht gegangen. Hmm, das wirft auf einmal ein ganz anders Bild auf die Sache - Absicht? :) 

Zwei Tage später verbrachte ich mit einem amerikanischen Freund einen Sightseeing-Tag in München und Umgebung. Und auch dort lief alles ganz unkompliziert "Barbara, we order and you eat as  much or as little as you want - or nothing" (Barbara, wir bestellen und Du isst so viel oder so wenig, wie Du magst - oder gar nichts).

Ihr seht, manchmal erledigt sich das Kopfkino von ganz alleine - wie so oft im Leben, wenn man selbstverständlich mit  Dingen umgeht.

Montag, 4. Juli 2016

Dumping

Jetzt kommen wir also zu dem versprochenen Post über das Dumping. Davor wurde ich in allen Vor- und Nachbereitungsgesprächen gewarnt. Aber was ist das überhaupt? Dumping kommt in verschiedenen Varianten und aus verschiedenen Gründen vor.
  1. zu viel gegessen
  2. zu schnell gegessen
  3. das falsche gegessen (Zucker bzw. Fett).

Was passiert dabei?


Und bitte entschuldigt schon jetzt, wenn ich es nicht medizinisch 100% korrekt ausdrücke, ich bin Patient, kein Doc :)

Wie in dem Post "Was ist eigentlich so ein Magenbypass" erläutert wurde, ist mein Dünndarm ziemlich verkürzt, weil ja mit dem der Magenbypass gebaut wird. Auch findet die Verdauung nicht im Magen selbst statt, sondern erst im weiteren Verlauf des Dünndarms, wenn er wieder  mit dem Stück aus dem Restmagen, in dem die Magensäure gebildet wird, zusammen trifft. Das heisst also, meine Nahrung rauscht unverdaut in den Dünndarm. Für diejenigen unter uns, die entweder im Biologieunterricht aufgepasst oder ein Aufklärungsgespräch zu einer Magen-OP hatten, ist es nicht ganz neu, dass ein Ort der Nährstoffaufnahme im Körper der Dünndarm ist. Normalerweise kommt dort das Essen aber schon anverdaut und nicht im Originalzustand an.

Durch die Verkürzung des Dünndarms und das nicht schon leicht zersetzte Essen, gehen die Nährstoffe sofort in den Körper, sofort ins Blut. Das macht sich besonders bemerkbar, wenn man zu viel Zucker zu sich nimmt, da der Körper gegen an arbeiten muss. Auch, wenn man zuviel Nahrung auf einmal aufnimmt, und von daher zuviel Nährstoffe auf einmal in den Dünndarm gelangen, muss der Körper zuviel gegen arbeiten. Mag er auch nicht.

Bei einer erhöhten Fettaufnahme, sieht das etwas anders aus, denn das flutscht einfach durch, bis es im Dickdarm gelandet ist und das bedeutet auf gut Deutsch was? Genau.. Durchfall. DAS hatte ich noch nicht :)

Meine Falle


Und was ist nun die typische Falle, in die ich hineingeraten bin? Diejenigen von Euch, die mich persönlich kennen, wissen, dass ich viel unterwegs bin und viel im Zug sitze. Ich habe den klassischen Fehler gemacht: mangelnde Vorbereitung. Ich hatte mich in der Logistik verrechnet. Ich fuhr von Frankfurt nach Lübeck mit Zwischenhalt in Hamburg und musste etwas essen bzw. trinken, da ich noch in der Flüssigphase nach der Operation war. In Hamburg dachte ich mir also, ab in den Supermark im Hauptbahnhof, da wirst Du etwas finden. Ich machte mich auf den Weg in Richtung Kühlregal und dort gab es Trinkjoghurts. Joghurt? Milchprodukt. Vertrage ich. Alles gut. Gesagt, getan, noch am Bahnhof beim Warten im Zug habe ich den Joghurt getrunken.. bäh, irgendwie total süß, aber auch davor war ich gewarnt worden, dass der Geschmack sich ändert.

Und jetzt kommt das tolle am menschlichen Körper. Eigentlich sagt er einem ziemlich genau, was er mag und was nicht. Man muss nur zuhören!

Ca. 20 Minuten später wurde mir total flau. Ich bekam Schweißausbrüche, mein ganzer Körper war mit einer kalten klammen Schicht bedeckt, mir war schwarz vor Augen und mir wurde übel. Ich habe erst gedacht "das kann doch nicht sein, ich vertrage Joghurt doch sonst auch". Und irgendwie hat es bei mir Klick gemacht und ich drehte die Joghurtflasche um und checkte die Nährwerte. Ja, das hätte ich mal besser vorher gemacht. Wisst Ihr, wieviel Zucker in dem Zeugs ist??? 16 Gramm auf 100 Gramm Joghurt. Das ist ekelhaft und grenzt ja schon an Körperverletzung. Viele von Euch werden jetzt denken "das weiß man doch, ist doch bei Fruchjoghurt nicht anders".
Ich wusste das nicht, denn bei mir gab's kein Fruchtjoghurt, bei mir gab es Joghurt mit Obst, aber nicht so ein gepanschtes Zeug.

Und da ich also gerade 250 Gramm von dem Zeug getrunken hatte, habe ich mal eben locker 40 Gramm  Zucker zu mir genommen. Kein Wunder, dass es mir schlecht ging! Mein Blutzuckerspiegel jagte noch oben, meine Bauchspeicheldrüse arbeitete auf Hochtouren, um Insulin dagegen zu pumpen und einmal erledigt, rauschte der Blutzuckerspiegel wieder in den Keller und ich hing in den Seilen.

DAS war also dieses Dumping, von dem die alle gesprochen haben.

In eine andere Falle bin ich auch ganz zu Anfang getappt. Ich war zu Besuch bei meiner Schwester und natürlich kam das Thema auf, was ich essen kann. Ich meinte nur, sie solle keinen Aufwand machen, ich finde schon etwas.

Es gab Spaghetti Bolognese abends und das Zeug wurde püriert. Spitzenidee, Barbara.. wirklich Spitzenidee. Erstmal war das Zeug nicht flüssig sondern breiig und ich war gewohnt 2-3 Esslöffel Suppe zu mir zu nehmen. 2-3 Löffel davon und mein Magen machte zu. Und mir ging es den ganzen Abend schlecht. Das war das erste Mal, dass ich nach dem Krankenhausaufenthalt über der Toilettenschüssel hin.

Soviel zu "keinen Aufwand" machen. Das passiert mir auch nicht nochmal.

Ihr seht also, es ist nicht einfach nur damit getan, dass man weniger ist,  bzw. ja dazu gezwungen ist. Nein, das gesamte Essverhalten muss sich ändern und von daher sollte jede Nachbereitung einer Magen-OP von einer Ernährungsberatung begleitet werden. Wie so oft geht es nicht um das "Was" sondern um das "Wie".


Sonntag, 3. Juli 2016

Aua .. ich kann nicht mehr laufen

Etwas schnelles zwischendurch, bevor später das Dumping kommt. Wer hatte eigentlich diese Schwachsinnsidee, dass ich wieder Sport machen sollte? 

Ach stimmt ja, das war ich selbst. Nachdem ich dann endlich meine Sportfreigabe bekommen habe, habe ich mir so einige Fitness-Studios angeschaut und bin beim Meridian Spa in Frankfurt gelandet. Die hatten bis Ende Juni eine Aktion laufen, bei der man die Aufnahmegebühr und 20 Euro pro Monat sparte. 

Und es wurde Zeit, denn durch den schnellen Gewichtsverlust wird einfach alles weicher und nachgiebiger. Und da sollte man schon ein bißchen gegen arbeiten. 

Und damit ich nicht wieder in die Falle laufe, zwar angemeldet zu sein, aber nach einer Weile wieder nicht hinzugehen, habe ich mir gedacht, einen Personal Trainer zu nehmen. Die Idee hatte ich früher schon öfter, aber irgendwie habe ich mich doch immer gescheut, das Geld in die Hand zu nehmen. Aber dieses Mal soll alles anders sein. 

Gestern habe ich dann Moritz kennen gelernt. Eigentlich sollte es nur ein erster Termin sein, um sich zu beschnuppern und um ein paar Übungen zu machen, um zu sehen, woran ich bin, was geht, wo ich Einschränkungen habe. 


"So ein bißchen wirst Du morgen in den Muskeln spüren"


Das waren Moritz' Worte. 

Beim Aufwärmen durch "Gelenkmobilisation" war ich ja doch ziemlich froh, dass meine Beweglichkeit nicht gelitten hat. Und auch, dass mein Gleichgewichtssinn und meine Standfestigkeit noch immer sehr ausgeprägt ist. 

Aber was als "leichte Übungen" geplant war, artete zu einer Stunde Personal Training am TRX aus: unter anderem Kniebeugen, Ausfallschritte - alles in den diversesten Ausführungen. 

Und das Ergebnis? Heute kann ich kaum laufen. Treppen hoch geht.. aber Treppen runter? Oder wohlmöglich auch noch hinsetzen? Oh nee.. das tut echt weh. Meine Güte, habe ich einen Muskelkater!!

Freitag, 1. Juli 2016

Was isst Du eigentlich?

Diese Frage wird mir ziemlich häufig gestellt.
Und es ist eine gute Frage, denn es hat sich bei mir nicht nur das "Wieviel" geändert, sondern auch das "Was".

Als erstes muss man wissen, dass es nach der Operation 3 verschiedene Phasen gibt:
  1. 1 Monat Flüssigkost
  2. 1 Monat breiiges Essen
  3. danach Herantasten an "normales" Essen
Fangen wir heute mal mit der Flüssigkost an. Was muss man sich darunter vorstellen? Wie meine Chirurgin so passend sagte: "Alles, wofür man einen Löffel braucht".

Mein gesamtes Essen wurde also püriert. Erst mit einem Pürierstab, dann hat meine Schwester mir ihren Standmixer überlassen.

Nochmal zurück zu den Mengen: kennt Ihr diese kleinen japanischen Suppenschalen? Das ist zur Zeit ca. eine Portionsgröße. Nach der OP blieb es auch oft bei 2 Esslöffeln und dann war schon wieder Schluß.

Meistens habe ich mir eine Karotte geschält, die in Brühe weich gekocht und dann püriert. Die reichte dann für 3 Mahlzeiten!
Das ganze angereichert mit Schmand oder Joghurt oder Eiweißpulver, um auf meine 60-80 Gramm zu kommen.

Naja, sagen wir mal: in die Nähe!

Wer meine Eiweißgeschichte nochmal nachlesen möchte, kann das gerner hier tun: Meine Eiweißodyssee

Klingt langweilig? Ist auch so, denn mein gesamtes Essen schmeckte nach Brühe. Bis auf das Frühstück, da gab es erst Joghurt mit 1-2 pürierten Erdbeeren. Aber ansonsten hatte alles diesen Brühegeschmack, in der das Gemüse gekocht wurde.

Als Gemüse zu empfehlen sind dabei Karotten oder Broccoli. Nichts kohliges und keine Pilze, das verträgt der Magen nicht. Kartoffeln gehen auch, aber die würde ich erst beim Übergang zum breiigen Essen untermischen, wegen der Stärke.

Grobe Fehler, die ich gemacht habe? Zu früh zu fest und zu schwer gegessen. Besonders, wenn ich unterwegs oder irgendwo zu Besuch war und es den anderen so leicht wie möglich machen wollte. "Nein, da muss nichts extra gemacht werden, das geht so, ich kann das pürieren.. passt schon... "

Ähem.. nein, das passt so nicht. Das war meine erste Dumping-Erfahrung, und das Essen musste wieder raus und zwar wieder auf dem schnellsten Weg.. Ihr versteht, was ich  meine :)

An eines muss man sich sofort gewöhnen: habt keine Bedenken, Eure Sonderbedürfnisse zu äussern. Bei meiner Lebensmittelallergie gegen Schalentiere würde ich auch nicht auf die Idee kommen, diese zu essen, nur um keine Umstände zu machen. Oder sie aus dem Essen rauszupulen.. nein, ich möchte nicht noch mal in der Notaufnahme landen.

Die Umstellung nach einer Magen-OP ist nichts anderes! Von daher habe ich mir abgewöhnt, zu versuchen, es den anderen so einfach wie möglich zu machen. Mein Magen dankt es mir!

Und bevor ich Euch über meine Weiterentwicklung beim Essen erzähle, erzähle ich Euch als nächstes, was dieses Dumping ist, woher es kommt, woran man es erkennt, wie man es vermeiden kann und in welche Riesenfalle ich reingetappt bin!

Sonntag, 19. Juni 2016

Meine Eiweiß-Odyssee

Hier ist sie nun, die Geschichte meiner Eiweiß-Odyssee. Und sie ist noch nicht zu Ende. 

Warum bin ich so auf das Eiweiß (oder Protein) fixiert? Ich soll davon ca. 60-80 Gramm am Tag zu mir nehmen. Und zwar deshalb, damit sich der Körper beim Abnehmen an den Fettreserven bedient und nicht an der Muskulatur. Das wäre fatal. Es wird eh schon alles weich und nachgiebig, da muss ich ja nun nicht noch nachhelfen. 

Es gibt da nur zwei Probleme: 

  1. Mein Magen hat nur noch ein Volumen von 150 ml. Das heisst, wenn er sich fertig entfaltet hat, das ist ca. 6 Monate nach der OP. Im Moment esse ich Portionsgrößen von ca. 100 Gramm 
  2. Selbst in eiweißreicher Nahrung wie Fisch oder Fleisch kommen nur ca. 20 Gramm Eiweiß auf 100 Gramm Lebensmittel. 
Jetzt kann man sich also ausrechnen, dass ich  täglich z.B. 300 Gramm Fisch zu mir nehmen muss, um auf die Mindestmenge von 60 Gramm zu kommen. Ich mag Fisch, aber mal ehrlich: jeden Tag, morgens, mittags und abends? 

Und das zu Beginn noch flüssig? Nein danke! 

Also bleibt nur eines: Nahrungsergänzungsmittel, sprich Eiweißpulver. Das wurde mir schon in den Vorgesprächen und auch in der Klinik zum Anreichern empfohlen. 


Die Qual der Wahl


Habt Ihr eine Ahnung, wieviele Sorten Eiweißpulver es da draussen auf dem Markt gibt? Mir wurde gesagt, ich kann einfach ein handelsübliches geschmacksneutrales nehmen. Also habe ich mir bei dm deren Sorte geholt. 

Eines vorweg: wenn Ihr jemals Eiweißpulver benötigt, nehmt nicht das von dm. Das ist ekelhaft!! Tut mir leid dm, ich bin sonst ein großer Fan von Euch, aber was wahr ist, muss auch wahr bleiben. 
Was die unter "geschmacksneutral" verstehen ist eine Beleidigung für sämtliche Geschmacksknospen.

Es geht schon los, wenn man die Dose aufmacht. Das Zeug sieht aus wie gemahlene Pappe: grau-braun-beige. 
Auch der Geruchstest ergibt: feuchte Pappe. Das lässt nicht viel für den Geschmackstest hoffen, denn Nase und Auge essen ja bekanntlich mit. 

Also rührte ich das in meine flüssige Gemüsesuppe und was soll ich sagen? Die Suppe wurde breiig. Kennt Ihr das, wenn Ihr Babybrei anrührt und der immer dicker und dicker wird? So war das mit dem Pulver. Vom Geschmack her war das nicht zu ertragen. Ich stand würgenderweise in der Küche und habe mir nur gedacht "Das ertrage ich nicht für den Rest meines Lebens!". 

Noch in der Klinik hatte ich mir bei FitForMe, einem Unternehmen, dass sich auf Nahrungsergänzungsmittel für Adipositas-Patienten spezialisiert hat, eine Produktprobe bestellt. 

Die lieferten mir also nach einer Woche 2 Versionen von deren Eiweißpulver: geschmacksneutral und Vanille. 

Als erstes der Test mit dem geschmacksneutralen: Tüte aufgerissen, immerhin ist das Zeug schon mal beige und der Geruch hielt sich in Grenzen. Ein bis hierhin viel besseres Erlebnis als das dm Zeugs. Und der Geschmack? Naja, geschmacksNEUTRAL ist anders, aber es lässt sich essen. 

Dann der Test mit der Vanillesorte. Da kam der Vorschlag, das doch als Shake in Milch zu trinken. Prima, habe ich mir gedacht, Shakes gingen in der Vorbereitung ganz gut, das sollte funktionieren. Und mit so einer Portion hätte ich immerhin schon mal die Hälfte meiner Mindestmenge intus. Gedacht, getan. Die Probepackung in ein Glas Milch eingerührt und den ersten Schluck genommen. 

Igitt, was ist das denn?? Wenn ich nicht so gut erzogen wäre, hätte ich das sofort wieder ausgespuckt. Ist das süß!!! Und nicht Vanillepudding oder Vanilleeis süß, sondern Zuckerwasser süß! 
Ich habe dann etwas mehr Milch aufgegossen, das ging. Jedenfalls die ersten drei Schlucke, dann wurde auch dieser Plan C abgebrochen. 

So langsam gingen mir die Alternativen aus! 

Seitdem rühre ich also fast jede Mahlzeit mit dem "geschmacksneutralen" Eiweißpulver von FitForMe an. Es gibt bessere und schlechtere Tage, was den Geschmack angeht, aber es lässt sich generell ertragen. 
Nur echt jetzt: ertragen? Den Rest meines Lebens? Da muss es doch etwas besseres geben. 

Bei meinem monatlichen check-up in der Klinik sprach ich das Problem an und meine Chirurgin gab mir eine Probe von Adozan mit, darauf würden die Mitglieder der Selbsthilfegruppe dort schwören. Sie gab mir den Tipp, das in meinen Kaffee einzurühren. Die Portionspäckchen sind 10 Gramm Eiweiß. Wenn das funktioniert, dann wäre das eine einfache Art, mein Ziel von 60-80  Gramm zu erreichen. 

Der Sehtest ergab schon mal, dass das ein ganz feines, weißes Pulver ist. Der Geruchstest ergab gar nichts. Wirklich! Es riecht nach nichts! Und der Geschmackstest? Auch der ergab im Milchkaffee nichts. Ich schmeckte es wirklich überhaupt nicht heraus. 

Bevor ich jetzt aber wieder gleich eine Packung bestelle, habe ich wieder die Möglichkeit genutzt, mir auf der Homepage von Adozan ein Probenpaket zu bestellen. Erst nachdem auch der zweite und dritte und vierte Test mit verschiedenen Lebensmitteln geschmacksneutral blieb, habe ich mir meinen Vorrat bestellt. Und jetzt warte ich :) 

Andere Eiweißlieferanten? Quark, Quark, Quark und erwähnte ich Quark? Fisch geht auch, jedenfalls manchmal. Eier auch. Fleisch geht nicht, da verbringe ich zu viel Zeit im Bad. Feta- und Ziegenkäse wird gerade getestet. Hülsenfrüchte gehen nicht, die darf ich wegen der blähenden Wirkung nicht essen. 

Wie gesagt, meine Odyssee ist noch nicht zu Ende und wenn Plan D jetzt auch nicht funktioniert, dann muss ich mir etwas ganz anderes einfallen lassen... ich werde berichten. 

Montag, 13. Juni 2016

Was ist eigentlich so ein Magenbypass?

Ich weiss, ich hatte gesagt, als nächstes erzähle ich Euch von meiner Eiweiß-Odysee, aber seitdem ich den Blog gestartet habe, habe ich so häufig die Frage bekommen "Magenbypass, das ist ein Magenband, oder? 

Deswegen ziehe ich diesen Blogpost einfach mal vor. 

Nein, ein Magenbypass ist nicht das mit dem Magenband. Bei einem Magenbypass wird der Magen geteilt. Es wird ein Minimagen, genannt Magen-Pouch mit 150-200ml Volumen gebildet und daneben dann der Restmagen, der im Körper verbleibt. Denn der wird gebraucht, um die Magensäure zur Verdauung zu bilden. 

Dann wird vom originalen Magenausgang ein Stück vom Dünndarm hoch zur Magen-Pouch gezogen. Dieser Dünndarm wird dann wieder mit dem "alten" verbunden, dort treffen sich dann Nahrung und Magensäure zur Verdauung. 

Klingt kompliziert? Keine Bange, das liegt an meinen Erklärversuchen. Hier ist ein tolles Video, welches auch in den Aufklärungsgesprächen genutzt wird: 




Diese Operation ist nicht reversibel. Jedenfalls nicht, wenn alles nach Plan geht. Der Magen bleibt jetzt so. 

Das bedeutet für mich, ich esse nur noch Minimengen, da meine Magen-Pouch nur noch ein Volumen von 150 ml hat. Das heisst, wenn er sich denn nach ca 6 Monaten total entknittert hat. 

Dazu kommt noch folgendes: da die Nährstoffe direkt im Dünndarm aufgenommen werden und der jetzt verkürzt ist, nehme z.B. Zucker und Alkohol viel schneller auf als vorher. 

Zur Zeit besteht absolutes Alkoholverbot, aber selbst wenn ich nach einem Jahr wieder darf, wird mir ca. ein Viertel der vorherigen Menge reichen, um angeschickert zu werden. Also keine "Saufgelage" mehr :) 

Samstag, 11. Juni 2016

Die Woche im Krankenhaus

Nach zwei Tagen weilte ich also wieder unter den Lebenden. Die Nierenschalen standen zwar noch immer auf meinem Nachtschrank, aber sie wurden nur noch sporadisch benutzt.
Dafür wachte ich am dritten Morgen in meinem blutbefleckten Krankenhaushemdchen auf. 

Was war passiert? 


Meine Narben suppten nach. Insbesondere die Drainagewunde. Ich sah aus, als hätte ich in einem Horrorfilm mitgespielt. Bettlaken und Klamotten durchgeblutet.. na lecker. 
Aber als mir meine Chirurgin dann erklärte, dass bei der Drainagewunde kein Blut sondern verflüssigtes Fett (wie bei einer Fettabsaugung) rauslaufen würde, hätte ich davon gerne noch mehr gesehen. Was immer rauskleckert.. damit muss ich mich dann nicht rumschlagen. 

Ansonsten verlief der Krankenhausaufenthalt recht unspektakulär. Am zweiten Tag durfte ich 4x50 ml Wasser zu mir nehmen. Dazu hing ich noch am Tropf. Eigentlich lief mir immer irgend ein Zeug in den Arm. 

Und die 4x50 ml kosteten Überwindung. Es ging nur in Minischlucken. Ich musste mich wahrlich zwingen. Jeden Tag kam meine Mama zu Besuch und wir gingen hoch ins Café, wobei ich mich an meinem Wasserbecher festhielt. Sie ließ mich nicht wieder runter, bevor der Becher nicht leer war. 50 ml wohlgemerkt, dafür habe ich ca. 1 Stunde gebraucht!

Am nächsten Tag dann die Steigerung auf 4x100 ml. Die größere Menge machte es nicht einfacher, das Wasser zu mir zu nehmen. Und dazu gab es dann noch Flüssignahrung, passierte Gemüsesuppe und Joghurt.  

Also vom Joghurt habe ich gleich Magenkrämpfe bekommen und von der Suppe habe ich vielleicht 3 Esslöffel zu mir genommen, dann reicht es schon wieder. 

Ich wäre gerne länger am Tropf geblieben, wenn ich dafür nicht hätte essen müssen! 

Da konnte ich mich für die kommenden 4-6 Monate auf etwas einstellen. Aber ein Zurück gab es nicht, von daher muss ich da nun durch. 

Ich durfte das Krankenhaus nicht verlassen, bevor ich nicht 1 Liter Wasser am Tag bei mir behalten konnte. Die Aussage der Chirurgin war sehr deutlich: "Wenn Sie nicht essen mögen, dann lassen Sie es. Solange Sie genügend trinken und Ihre Nahrungsergänzungen nehmen, ist alles prima. Kein Mensch verhungert in zwei Wochen."

Und die Ansage gilt übrigens noch heute, knapp 2 Monate nach der Operation. Denn ich bin noch immer in der Umstellungsphase von flüssig zu breiig zu fest. 

Am Montag nach meiner Operation ging es dann nach Hause.  Und als nächstes erzähle ich Euch von meiner Eiweiß-Odyssee. 

Donnerstag, 9. Juni 2016

Ich muss bestimmt sterben.....

Am Montag, 18. April 2016 war es dann also so weit, ich wurde für meine Operation stationär im Krankenhaus Nordwest in Frankfurt aufgenommen.

Meine Mama war am Sonnabend zur moralischen Unterstützung aus Lübeck gekommen und begleitete ihr "Baby" ins Krankenhaus. Ja, ich kann wohl auch 80 werden. Wenn meine Mama noch am Leben ist, bin ich auch dann noch das Baby.
Es folgte ein ganzer Schwung an Voruntersuchungen: Magenspiegelung (wobei dann gleich noch ein Heliobakter festgestellt wurde, aber um den kümmern wir uns nach der OP), Ultraschall von eigentlich allem, EKG, Lungenfunktionstest - habe ich etwas vergessen? Nein, ich glaube, das war es.
Dazwischen dann die Aufnahme, denn der administrative und organisatorische Kram darf natürlich nicht vergessen werden.

Leider wurde die Magenspiegelung als letzes gemacht, am frühen Nachmittag. Ich hatte also mal wieder Hunger und Durst. Und vor der Untersuchung hatte ich auch wirklich Respekt. Weiss gar nicht, wieso. Davon merkt man ja gar nichts und die Wartezeit auf dem Flur war länger als die Untersuchung selbst.

Und endlich durfte ich auch wieder trinken. Es gab also stilles Wasser und Instantbrühe aus dem Glas.  Besser als nichts.

Dienstag Morgen dann der schon beschriebene Weg in den OP. Gerade noch erzählt und alles wurde schwarz.
Meine nächste Erinnerung? Naja, wenn man den benebelten Zustand im Aufwachraum "bewusste Erinnerung" nennen darf. Auf alle Fälle war es das dringende Bedürfnis nach einer Nierenschale, denn mir war übel.

Entschuldigung, ab hier wird's unappetitlich :)


Ich bitte um Entschuldigung, das ist kein nettes Thema, aber es war so. Es ist erstaunlich zu welchen Reflexen der Körper fähig ist. Ich wachte auf, nur um irgendwie "mir ist schlecht" zu lallen und schon ging es los.

Und was soll ich sagen, es hörte die nächsten beiden Tage nicht  mehr auf. Ich plünderte die Vorräte im Equipment-Schrank im Krankenzimmer und übergab mich ohne Vorwarnung. Naja, wass bedeutet schon "übergeben", wenn man nichts zu sich nimmt und die Verbindung zur Magensäure auch gekappt ist? Es war eigentlich nur blutiger Schaum. Moment mal, ich spucke Blut?? Das kennt man doch nur von TBC-Horrorgeschichten. Nein, ich hatte kein TBC  - natürlich nicht.

Meine Chirurgin erklärte mir, dass es bei der OP zu Einblutungen in den Magen kam. Und wenn im Körper Blut an Orten auftaucht, wo es nicht hingehört, dann gilt das als Fremdkörper und es gibt nur eine Devise: raus damit, egal wie! Und der kürzeste Weg vom Magen raus, ist nunmal nach oben.
Ich saß also mit meiner Nierenschale unterm Kinn festgeklemmt in meinem Bett und würgte vor mich hin.

Das ewige Brechen war mir so unangenehm, dass ich mich ständig entschuldigte: bei Schwestern und Pflegern, die meine Bettwäsche wechseln mussten, bei Ärzten, die ihre Visite kurz unterbrechen mussten, weil ich mal wieder "anderweitig beschäftigt" war. Bei jedem Besucher, der kam und dessen erster Blick ins Zimmer auf mich traf, wie ich über der Nierenschale hing.

Bei meinen Eltern, denn ich weiss genau, dass meine Mama hart im Nehmen ist, aber bei Erbrochenem kann sie sich eigentlich gleich neben mich setzen. Wohingegen mein Papa, der für den Tag der OP und den folgenden Mittwoch extra runtergekommen war, mir in typischer väterlicher Manier "wenig liebevoll" den Mund abwischte.

Und entschuldigt mal, auch mit 42 Jahren kann man noch jammern, dass man bestimmt sterben muss, wenn man knapp 2 Tage über dem Eimer bzw. der Nierenschale hängt.

Ich verspreche, ab morgen wird es wieder besser!

Montag, 6. Juni 2016

Der große Tag

19. April 2016, 7:00 Uhr. Die Krankenpfleger kamen pünktlich, um mich in den OP zu bringen. Ich stand als erste für denTag auf dem OP-Plan, so viel wusste ich.

Ich war überrascht, wie entspannt ich war. Überhaupt nicht aufgeregt. Und das ganze ohne irgendwelche „Feel-Good-Pillen“. Auf dem Weg nach unten wurde geflachst, beim „Einchecken“ hatte jemand für mich Morgenmuffel viel zu gute Laune. Bei der Anasthäsie-Schwester nochmal alle Fragen beantwortet. Allergien? Nein. Medikamente? Nein. Panikattacken? Nein. Blutdruck und Puls waren normal. Zugänge wurden gelegt und gerade hatten wir noch gesprochen und dann war alles schwarz….

Es war der Tag meiner Magen-OP, eines Magenbypasses, um genau zu sein. Seit dem 29. Juli 2015 hatte ich darauf hingearbeitet.

Das war der Tag meines ersten Besuches in der Adipositas-Sprechstunde im Krankenhaus Nordwest in Frankfurt am Main. Meine Hausärztin hatte mich dorthin überwiesen, nachdem ich dann endlich mal den Mut hatte, sie wegen meines starken Übergewichts um Hilfe zu bitten. 
Nach über 20 Jahren „moppelig-bis-dick-bis-fett-Sein“ hatte ich die Reißleine gezogen. Letzer Auslöser war wohl eine Gewichtszunahme von 15kg in knapp 4 Monaten, die ich beruflich zwischen London und Frankfurt gependelt war und auch teilweise in London gewohnt hatte. Erst kaum noch Sport, dann gar keiner mehr. An manchen Tagen fast gar nichts gegessen, dann wieder 3-4 Mahlzeiten. Unregelmässiger ging es also gar nicht mehr.

Der Anfang der Reise


Am 29. Juli hatte ich also meinen ersten Beratungstermin in der Adipositas-Sprechstunde und erzählte meine Geschichte. Vom Kampf mit meinem Übergewicht, seitdem ich ca. 14 Jahre alt war. Mal mehr, mal weniger, aber schlank nie.

Nach intensiver Beratung über die verschiedenen Opertionsmöglichkeiten habe ich mich für einen Magenbypass entschieden. Die wohl radikalste Methode. 

Aber mir ging es nicht nur darum, weniger Masse zu mir nehmen zu können, sondern auch, meinen Stoffwechsel wieder in die Gänge zu kriegen, indem mein Körper mir sehr klare Signale gibt, was ihm alles nicht gefällt.

Und dann ging der erste Teil der Reise los: Ärzte abklappern und Gutachten einholen. Die Liste war lang: Psychologe, Orthopäde, Gynäkologe, Hausarzt, die Chirurgin, die mich operieren würde, wenn es denn soweit wäre.

Dazu kam alles an Versuchen zur Gewichtsreduzierung, die ich jemals hinter mir hatte. In einem gut sortierten Haushalt geht ja nichts verloren und so trug ich alles zusammen. Bescheinigungen über Ernährungsberatungskurse, Kochkurse, Teilnahme an Kursen im Fitness-Studio. Alles, was mir einfiel wurde zusammen gesucht. Auch, wenn es schon Jahre her war.

Dann im November hatte ich alles. Am längsten hat übrigens das Gutachten meines Orthopäden gedauert. Das war 3 Zeilen lang. Seitdem WAR er mein Orthopäde. Frechheit sowas!

Nicht zu vergessen, mein persönliches Motivationsschreiben. Da musste ich wirklich die Hosen runterlassen. Nur mal so „weil ich schlank sein will“ ging da nicht. Mit all den Papieren ging ich dann wieder ins Krankenhaus, um überprüfen zu lassen, dass ich auch wirklich an alles gedacht habe.

Ich hatte Horrorstories von den Krankenkassen gehört, wenn da etwas fehlt. Wie man dann kämpfen muss. Das wollte ich vermeiden. 

Nachdem ich aus dem Krankenhaus das ok bekommen und dann auch das letzte Gutachten, nämlich das chirurgische erhalten habe, ging der fette Briefumschlag in die Post. Der war bestimmt 2cm dick. 

In dem Moment, als ich den Brief eingeworfen habe, war mir leicht schlecht, muss ich zugeben. Aber jetzt war es zu spät.

Das MDK


Die erste Reaktion der Krankenkasse dauerte nicht lange und war nicht überraschend. Der Antrag ist zum MDK, dem medizinischen Dienst der Krankenkassen, weitergeleitet worden. 

Und auch dort durfte ich dann im Januar 2016 persönlich hin und meine Geschichte nochmal erzählen. Warum man dort allerdings Termine ausmacht, um die Leute dann im Schnitt eine Stunde warten zu lassen, ist mir ein Rätsel. Der erste Kommentar des prüfenden Arztes war „so einen fundierten Antrag habe ich auch schon lange nicht mehr gesehen“. Tja, wenn ich etwas mache, dann bitte gründlich. Auf Verhandlungen mit meiner Krankenkasse hatte ich überhaupt keine Lust.  

Wieder wurden Puls und Blutdruck gemessen. Dazu ein paar Beweglichkeitsübungen, um zu schauen, inwieweit mein Skelett schon betroffen ist.
Und dann nochmal die Motivation erklären. Also wieder einen Seelenstriptease hinlegen. Und ständig nahm der Arzt dort Notizen. Ich kam mir schon so wie in einem Verhör vor. Der war total nett, aber es ist dennoch ein komisches Gefühl.

Die ganze Untersuchung dauert ca. 1 Stunde und dann sagte er mir „wenn ich mir das alles so angucke. Wir machen das“. Ich muss sparsam geguckt haben, denn er fügte noch hinzu „Sie dürfen sich freuen“. 

Ich antwortete, dass ich mich innerlich total freuen würde, aber irgendwie glaube ich das erst, wenn ich den Schrieb von der Krankenkasse bei mir zu Hause habe. Er lachte nur und meinte, die Krankenkasse schicke mich ja zu ihm, weil sie selber nicht wissen, was sie machen sollen. Von daher könne da gar nichts mehr passieren. 

Aber so richtig realisiert habe ich es erst, als ich aus dem Gebäude raus war. Ich habe irgendwie im Kreis gegrinst und hinterließ erstmal eine Nachricht bei der Familie zu Hause.

Wie ging es weiter?


Dann ging alles ziemlich schnell. Anfang März kam der Übernahmebescheid der Krankenkasse. Jetzt ging der Puls langsam hoch, endlich ging es los bzw. weiter.

Und wieder stand ein Termin im Krankenhaus Nordwest an. Es ging darum, einen Termin für die Operation auszumachen. Die Chirurgin zückte den OP-Plan und meinte „den 12. April kann ich Ihnen anbieten“. Kurz überlegt und sofort habe ich heftig den Kopf geschüttelt. Mir stand eine dreiwöchige Fastenzeit bevor. Bei aller Liebe, aber ich faste nicht über Ostern! 

Also wurde mein Termin auf den 19. April festgelegt.

Über die Fastenzeit erzähle ich Euch als nächstes.


Und ich freue mich über Feedback, Fragen und Kommentare. 

Die Flüssigphase vor der OP

Nachdem die Kostenübernahme der Krankenkasse also da war und ich den OP Termin für den 19. April vereinbart hatte, ging am Dienstag nach Ostern die „Flüssigphase“ zur Vorbereitung los.

Nach Absprache mit der Ernährungsberaterin im Krankenhaus
Nordwest hatte ich mich für das Optifastprogramm entschieden.
Ich hätte die Flüssignahrung auch selbst zubereiten können, aber ich kenne mich ja: je einfacher, desto besser.

Das Optifastprogramm besteht aus 5 Shakes pro Tag. Damit nimmt man die Mindestmenge von 800 Kalorien zu sich. Das ganze sollte sich auf nicht mehr als vier Mahlzeiten pro Tag verteilen. Die Shakes gibt es in sechs Geschmacksrichtungen, aufgeteilt in süß und salzig: Kaffee, Schokolade, Vanille und Erdbeere sowie Kartoffel-Lauch und Tomate.

Die Shakes kosten 2,20 Euro pro Tüte, sind also nicht wirklich günstig, aber mir war es wichtig, dass es für mich so einfach wie möglich war. Besonders am Arbeitsplatz.

Wichtig ist, dass man sich nicht nur auf eine Ausrichtung konzentriert, sondern sowohl süß also auch salzig zu sich nimmt. Zum Verfeinern kann man sich an Zimt, Kardamon, Pfeffer, Schnittlauch etc. bedienen. Man sollte kein Salz verwenden. Das habe ich leider nicht ganz durchgehalten.

Dazu gilt eine Flüssigkeitsaufnahme (Wasser oder ungesüsster Tee) von drei Liter. Damit hatte ich zum Glück überhaupt keine Probleme.

Die Shakes habe ich jeweils für eine Woche im Krankenhaus bestellt. Ich hatte mich für Schokolade, Kaffee, Vanille und Kartoffel-Lauch entschieden. Irgendwie hatte ich es im Gefühl, dass Erdbeere nur fürchterlich künstlich schmecken kann. Eine Woche später sollte mein Gefühl mir Recht geben.

Ansonsten schmeckten die Shakes sogar sehr gut. Bis auf Vanille, aber auch das war zu trinken. Es ging halt.

Dienstag lief alles prima. Morgens etwas Süßes, Mittags etwas Salziges und Süßes, Nachmittags wieder etwas Süßes und Abends etwas Salziges. Leider hatte ich mich zum Ende der Woche mit meiner Bestellung etwas verrechnet, denn für die letzten Tage hatte ich irgendwie nur noch Süßes, das den ganzen Tag ist dann schon gewöhnungsbedürftig.

Dann kam der Mittwoch. Und was soll ich sagen? Ich hatte Hunger. Und zwar von dem Moment an, als ich morgens die Augen aufmachte.

Und das ist vielleicht ein fürchterliches Gefühl, morgens mit sooooo einem Loch im Magen aufzuwachen!

Verhandlungen mit sich selbst


Ich frühstückte zu Hause gemütlich und nahm mir meine Shakes für Mittags und Nachmittags mit ins Büro. Aber der Hunger wurde nicht weniger. Und ich meine nicht so das „ach, ich könnte mal ewas essen“-Gefühl, sondern HUNGER!!!!

Und auf dem Weg von meinem Arbeitsplatz zu meiner Haustür muss ich an vier Bäckereien und drei Lieferdiensten vorbei. Auf dem Heimweg fing ich an, mit mir selbst zu verhandeln: „Barbara, Du hast noch einen Shake übrig, den trinkst Du zu Hause. Wenn Du dann noch Hunger hast, holst Du Dir etwas zu essen“ Innerlich schrie ich mich an, nicht so verflucht vernünftig zu sein. Ich hatte Hunger, verflixt!

Aber meine Vernunft siegte und ich blieb bei meinem flüssigen Abendesssen und noch einem Liter Wasser dazu. Juhuuu.. erste Herausforderung geschafft.

Die nächsten beiden Tage waren allerdings noch schlimmer. Nur hatte ich keinen Hunger mehr, sondern Kopfschmerzen, eigentlich eher eine heftige Migräne. Kopfschmerzen, Übelkeit, Appetitlosigkeit, Lichtempfindlichkeit, alles dabei. Ich konnte kaum den Kopf vom Kissen heben. Es war so schlimm, dass ich mich für die zwei Tage krank melden musste. Ich habe es gerade so geschafft, meine Shakes runterzuwürgen. Dazu brachte ich es vielleicht auf 1,5 Liter, statt auf drei.

Am Sonnabend ging es mir dann viel besser, mein Organismus hatte sich an die neue Nahrung gewöhnt und Hunger hatte ich auch keinen mehr. Wie beim Heilfasten auch, bemerkte ich aber eine Empfindlichkeit was die Zimmertemperatur angeht. Ich saß also jeden Abend unter meine Kuscheldecke.

Die restlichen 2 Wochen verliefen ohne große Ereignisse. Beim Bestellen der Shakes achtete ich allerdings darauf, dass ich 2 salzige Varianten pro Tag hatte und ich bestellte die Tomatensuppe dazu. Auch die ist wirklich lecker, allerdings musste ich etwas nachsalzen. Ich kann zum Abendessen nichts Süßes essen.

Dann kam der Freitag vor meiner Operation. Ich saß zu Hause und auf einmal traf es mich wie der Schlag. Ich würde für die nächsten 3 Monate keine wirkliche feste Nahrung zu mir nehmen können. Und danach nur in Miniportionen. Das war zwar genau das, was ich wollte, aber Moment mal: 3 Monate lang keine Pizza?? 

Ich weiß auch nicht warum, aber ich wurde den Gedanken nicht mehr los und habe zwei Stunden lang mit mir gerungen und mir dann doch eine kleine Pizza bestellt. Asche auf mein Haupt.

Bereue ich es? Nein, überhaupt nicht. Sie war total lecker und war sozusagen mein Abschiedsessen.

Sonnabend und Sonntag gab es wieder 5 Shakes und am Montag Morgen ging es ins Krankenhaus für die stationäre Aufnahme.